EIN FLUGZEUG AM STRAND !

Ich liebe die Inseln der äußeren Hebriden an der Nordwestküste Schottlands.

 

Ob HARRIS, LEWIS, UIST oder BARRA.

 

Jede dieser schottischen Kleinode bietet atemberaubende Landschaften und warmherzige Menschen.

 

Dabei liegt die kleine Insel BARRA, von den Einheimischen liebevoll BARRABADOS genannt, am südlichen Zipfel der äußeren Hebriden und hat einen extrem außergewöhnlichen, weltbekannten Flughafen. 

 

Diesen hab' ich mir nicht nur als Urlauber, sondern auch als Fluglotse mal etwas genauer angeschaut und bin auf den Kontrollturm geklettert :)

 

Was ich dort am Flughafen erlebte, schreibe ich Euch in diesem Blogartikel. 

BARRA (gälisch : Barraigh)

 

Woher die Insel ihren Namen hat ist nicht genau überliefert.  Es könnte einen Zusammenhang zum gälischen Namen "Finbarr" geben, aber auch norwegischen Ursprungs sein, denn dort bedeutet "barr" so etwas wie "rau" - und ein rauhes Klima herrscht hier durch den Atlantik definitv. 

 

Ganz im Gegensatz zu den Menschen, welche sich für ein Leben auf den äußeren Hebriden entschlossen haben, denn die Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft  der Bewohner ist beeindruckend.

 

Auf Barra selbst leben knapp 1200 Einwohner und die meisten davon in der einzigen Stadt namens CASTLEBAY im Süden der Insel - der Flughafen befindet sich im Norden.



Am 7. August 1936 erhielt der Flughafen Barra, welcher in der gälischen Landessprache "Port adhair Bharraigh" genannt wird, vom Ministerium für Luftfahrt die offizielle Zulassung.

 

Ein Flugticket nach Glasgow kostete damals 4 britische Pfund (GBP). Nun, exakt 80 Jahre später, kostet es je nach Angebot im World Wide Web nahezu das zwanzigfache !

 

Die Flugdauer liegt im übrigen bei 1 Stunde und 15 Minuten, und das was diesen Flug so besonders macht ist die Landung !

Sie zählt zu den Dingen "die man gemacht haben sollte, bevor man stirbt" und selbst der Flughafen wirbt mit dem Slogan :

"Welcome to Barra - A unique landing experience"

 

Was ist das besondere daran ?

 

Nun, man landet auf keiner geteerten, betonierten oder grasbewachsenen Piste, sondern direkt am einen Kilometer breiten Strand, dem "Traigh Mhor" !

Kurios, das der Flugplatz 3 "Landebahnen" , gekennzeichnet mittels Holzpflöcken am jeweiligen Ende, an diesem Strand bereitstellt, und so wird der Pilot, je nach Windrichtung, auf einer dieser Bahnen landen.

 

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte, daher hier ein kurzes Video, welches eine Landung auf Barra zeigt, und zudem noch die wundervolle Landschaft. Ihr werdet sehen, dass der Wind auch dazu führen kann, in Richtung des Meeres zu landen :).


Quelle : YouTube

Der Flughafen wird im übrigen zweimal täglich, natürlich nur bei Ebbe, von der Fluggesellschaft Logan Air mit ihren beiden Flugzeugen (Twin Otter DHC6-400, jeweils 19 Passagiere) angeflogen. Das diese aufgrund des Salzgehaltes des Wassers und der Luft besonderer Wartung bedürfen, ergibt sich von selbst.

 

Die "Landebahn" wird regelmäßig von der Flughafenfeuerwehr, welche im übrigen excellent ausgestattet ist, auf Treibgut abgesucht, welche für Start-oder Landung eine Gefahr darstellen könnte - ob Holzplanken, Ölfässer oder Robben :). 

 



Am Flughafen selbst gab' es bisher erst einen nennenswerten Zwischenfall.

Im April des Jahres 2002 plante ein Pilot in den frühen Morgenstunden Barra zu verlassen, doch der stramme Wind hielt ihn davon ab. Der Wetterdienst riet ihm bis in den Nachmittag zu warten, da sich die Wetterlage ändern wird.

Um 15:00 Uhr betrug der Wind 190 Grad mit 23 Knoten, und da der Flughafen , bedingt durch die einsetzende Flut, um 16:00 Uhr schliessen würde, entschloss sich der Pilot zu starten. Ihm war bewusst, dass er aufgrund des geringen Gewichtes seines Flugzeugtyps bereits Schwierigkeiten mit dem Seitenwind beim Rollen zum Startpunkt bekommen könnte, aber ging das Risiko ein und rollte los. Es kam wie es kommen musste. Der Wind wurde schlagartig stärker und der Pilot konnte den Steuerknüppel kaum halten. Er versuchte noch das Flugzeug in den Wind zu drehen, aber bei Böen von 46 Knoten drehte sich das Flugzeug über den rechten Flügel komplett auf den Rücken !

Der Pilot konnte sich unverletzt von selbst befreien und die Feuerwehr half tatkräftig mit, das Flugzeug wieder zu drehen :)


Für mich als Fluglotse war ein Besuch beim schottischen Kollegen natürlich obligatorisch und der Ausblick von der Kanzel hat mich die ersten Sekunden wahrlich  sprachlos gemacht. 

 

Vielleicht erwäge ich ja eines Tages eine Bewerbung bei "Highlands & Islands" :)

 

P.S. Als Zugabe noch zwei nette Videos zum Flughafen Barra.

Quelle : YouTube

Quelle : YouTube


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